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Ansprache vom 4.12.2011 zum Abschluss der Dachsanierung von Pfarrer Rainer Böhm

„Wenn du ein neues Haus baust, so mache ein Geländer ringsum auf deinem Dache, damit du nicht Blutschuld auf dein Haus lädst, wenn jemand herunter fällt.“ 5. Mose 22, 8

Das gilt natürlich auch für das Dach einer Kirche: die Baustelle muss gesichert sein, der Arbeitsschutz gewährleistet, und anstelle einer Blutschuld gäbe es heute andere juristische Konsequenzen.

Vor dem eigentlichen Baubeginn im vergangenen Jahr stand die umfangreiche Planung, Ausschreibungen und Auftragsvergaben, die Einrichtung der Baustelle mit der Planung des Gerüstes und des Bauzaunes und Gespräche mit der Stadt. Von Anfang an und bis jetzt hat unser Architekt Steffen Mörler die Bauarbeiten geleitet und begleitet und für jedes Problem eine Lösung gefunden. Er hatte die Bauleitung. Ihm gilt unser allererster Dank.

Vom Bau-Ausschuss des Kirchenvorstands hat Herr Stamm alle Aufgaben, die mit der Dankeskirche zu tun haben, übernommen. Die Stunden, die er hier im Gebäude und vor allem auf dem Dach zugebracht hat, sind ungezählt. Die Dachfläche beträgt 1.200 m². Die Treppenstufen, die Sie in dieser Zeit gestiegen sind, bleiben ungezählt, Herr Stamm. Und auch die Kästen Wasser, mit denen Sie die Arbeiter versorgt haben.

Sicherlich könnten Sie beide, Herr Mörler und Herr Stamm, eine Menge zum Fortgang der Bauarbeiten sagen. Ich möchte ein paar Einzelheiten eher willkürlich benennen:

Ursprünglich sollten die Arbeiten nach dem Stuhlmodell durchgeführt werden, d.h. ein Stützpfeiler nach dem anderen ersetzt werden, sodass immer drei andere die Last des Daches tragen könnten. Jeder dieser Pfeiler ist übrigens 11-12 m lang. Dann wurden, im vergangenen Jahr, aber jeweils zwei Bauabschnitte zusammengefasst, also an jeweils zwei Pfeilern gleichzeitig gearbeitet. Es hatte sich heraus gestellt, dass die Verschalung des Daches zu dünn war und ebenfalls ersetzt werden musste. Sie wurde abgenommen, die Last war dadurch leichter, aber zugleich war die Aufgabe hinzugekommen, 1.200 m² Verschalung zu erneuern.

Der vergangene Sommer war regenreich. Es konnten immer nur kleine Dachflächen geöffnet werden, die jeden Abend wieder fest mit einer Plane verschlossen wurden, sodass kein Wasser in das Gebäude eindringen konnte. Das hat Herr Kämmerer von der Fa. Lambrecht hervorragend gewährleistet. Unter dem Dach herrschten Temperaturen von beinahe 50°.

Durch die Baumaßnahme am Dach hat sich der Einbau des Orgelfernwerkes verschoben. Der Vorteil war, dass große Teile des Fernwerkes durch eine geöffnete Luke im Dach auf den Dachstuhl transportiert werden konnten. Das wäre ohne Bauarbeiten mühsamer gewesen. Außerdem wurde in diesem Zuge auch noch der kleine Raum, in dem das Fernwerk untergebracht ist, denkmalgerecht restauriert.

Schließlich ruhten die Arbeiten in diesem Jahr für einige Zeit, weil es einen Lieferengpass beim Schiefer gab. Viele Gemeindemitglieder waren verwundert und besorgt, uns sei vielleicht das Geld ausgegangen. Aber wir wollten Qualitätsschiefer aus Deutschland, und den haben wir schließlich auch bekommen, Moselschiefer, 40 t sind dort oben verlegt worden. Viele haben die Arbeiten der Dachdecker in den vergangenen Monaten bewundert.

Trotz aller Überraschungen, Wartezeiten und Umplanungen wird der Bau nicht teurer und außerdem fristgerecht beendet.

Einen Dank an alle beteiligten Firmen und Personen.

Gott wollen wir danken dafür, dass diese zum Teil ja atemberaubenden Arbeiten in der Höhe ohne Verletzungen und Unfälle abgelaufen sind. In der katholischen Tradition ist die Barbara, deren Tag ja heute gefeiert wird, die Schutzheilige u.a. der Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten.



Fundraising

Das Baukosten in Höhe von 800.000 € sind zu einem ganz wesentlichen Teil von unserer Landeskirche aus Kirchensteuermitteln finanziert worden, einen Betrag von 60.000 € steuerte der Denkmalschutz bei. Aber unsere Gemeinde muss sich mit etwa 150.000 € aus Eigenmitteln beteiligen.

Eigenmittel – das ist jedoch ein Fremdwort in einer Kirchengemeinde! Damit die Bauarbeiten starten konnten, haben wir daher zunächst einmal ein Darlehen aufgenommen. Wir haben uns viel vorgenommen, um diesen Betrag von 150.000 € zusammenzubekommen.

Unsere Spendenaufrufe im Gemeindebrief, der Wetterauer Zeitung und in knapp 500 persönlichen Briefen im vergangenen Jahr wurden erhört. Wir danken den bis Oktober über 400 Spendern, die mit fast 700 Spenden 89.000 € zusammengetragen haben. Es freut uns sehr, dass sich so viele Menschen mit der Dankeskirche verbunden fühlen. Es sind viele kleine Beträge dabei, und auch viele sehr große. Viele Spender haben sogar mehrfach zum Überweisungsformular gegriffen! Besonders danken möchte ich auch hier Herrn Stamm, der mit unermüdlichem Einsatz Spendenbescheinigungen ausstellt und die Buchführung unserer Spendenkasse übernimmt.

Den Bauzaun mussten wir zur Landesgartenschau im letzten Jahr aufbauen – das hat nicht jedem gefallen. Und deshalb haben Heidrun Kroeger-Koch und Regina Reitz ein Projekt gestartet, Bilder zum Thema Schöpfung malen zu lassen und sie als Planen am Bauzaun aufzuhängen. In vielen Gruppen und Kreisen unserer Gemeinde – vom Kindergarten bis zum Senioren-Bastelkreis – sind 21 Kunstwerke entstanden. Und weil wir dachten, das sei doch schade, wenn die Originale bald verschwinden müssen, haben wir daraus Kalender für 2012 und Grußkarten drucken lassen. Die können Sie alle heute kaufen und auch auf diesem Wege die Dachsanierung unterstützen. Für ihren Einsatz danken wir Frau Kroeger-Koch und Frau Reitz, aber auch allen kleinen und großen Künstlern, die sich an dieser Aktion beteiligt haben. Und Elke Schulze und Thomas Leichtweiß für die Gestaltung der Karten und Kalender.

Alle freien Kollekten und die Erlöse der letzten drei Gemeindefeste haben wir für die Dachsanierung verwendet. Seit dem Gemeindefest 2010 macht ein Button mit der kranken Dankeskirche in sympathischer Form auf unser Großprojekt aufmerksam. Für die Gestaltung dieses Logos danken wir Christiane Roth aus Ober-Mörlen sehr herzlich.

Und schließlich haben zahlreiche Konzerte dazu beigetragen, dass wir unserem Ziel näher gekommen sind. Die Prinzen haben im vergangenen Jahr zwei ausverkaufte Vorstellungen gegeben, unser Gospelchor hat mit mehreren Konzerten geholfen, und auch unser Kantor Frank Scheffler hat sich mit Orgelkonzerten besonders engagiert. Besonders danken wir dem Kammerchor Cantus Firmus unter Leitung von Werner Ciba, dem Chor der Ernst-Ludwig-Schule mit ihrem Leiter Alexander Ziegler und der katholischen Regionalkantorin Eva-Maria Sokoli. Sie haben unseren dringenden Bedarf gesehen und spontan ein Konzert zu Gunsten der Dachsanierung gegeben.

Nun sind die Baumaßnahmen fast abgeschlossen. Aber unser Spendenziel haben wir noch nicht ganz erreicht. Daher bitte ich Sie weiterhin um Ihre Unterstützung. Vorbereitete Überweisungen für Ihre Spende finden Sie am Aquarium mit dem beschädigten Dachbalken vor dem Haupteingang, unsere Spendenkonten stehen natürlich auch auf unserer Homepage und im Gemeindebrief. Und: Kalender und Grußkarten haben wir auch noch für Sie!

„Wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Und einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe“ – schreibt Paulus im 2. Korintherbrief.


Theologische Gedanken

Gemeinsam stehen die Bauarbeiter auf dem Gerüst und in luftiger Höhe. Gemeinsam sind sie dem Himmel nahe. Jeder steht an seinem Platz, jeder dient dem gemeinsamen Ziel mit seiner Gabe, seiner Fähigkeit. Bei einem Bauprojekt sind Ziele natürlich leicht zu formulieren: es gilt, das Gebäude zu errichten. Wie sicher der Bauzaun, wie offen und gewagt das Gerüst, wie unfertig das Gebäude.

Der Bau war eine gemeinsame Anstrengung. Viele haben ihre Gabe eingebracht. Jeder hat mit seiner Gabe dem Ganzen gedient. Miteinander hat die Kirchengemeinde den Bau bewältigt.

Die Kirche wird von Menschen gebaut. Von ganz normalen Menschen. Von Menschen, die eine bestimmte Haltung mitbringen, Interessen, die sich geformt haben. Sie sind ihrer Zeit verpflichtet und verhaftet, ihrer Erziehung, ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrer Theologie.

Mir gefällt ein kleines Detail: die Kirchengemeinde hat für Getränke gesorgt, für Wasser und genügend Kaffee. Das hatte natürlich praktische Gründe. Aber damals wie heute gilt auch: Zum Verwirklichen eines gemeinsamen Ziels gehört mehr als ein Auftrag oder eine Anweisung. In einer Gemeinschaft sorgt einer für die anderen; geht es um Fragen des Betriebsklimas und der Motivation. Darum, Gaben zu ermutigen, den Blick für das Ganze, den Dienst für die Sache Gottes im Auge zu behalten. Er ist der Herr der Kirche.

Die Kirche als Baustelle: Das gilt auch im übertragenen Sinn: das ist eine Metapher, ein Bild für die Kirche überhaupt:

Mit der Vollendung des Gebäudes ist die Aufgabe nicht beendet, weiter an der Kirche zu bauen. Das gilt für das Gebäude selbst: einiges blieb unvollendet. Manches wurde nachträglich ergänzt. Jede nachfolgende Generation hat weiter an der Kirche gebaut. Eine Gemeinde lebt in ihrer Kirche; die Kirche lebt mit ihrer Gemeinde. Bis heute sind die einmal geplanten hinteren Schmuckfenster nicht eingesetzt, weil dazu vor 100 Jahren die Sponsoren fehlten. Manches musste inzwischen erneuert werden, wie jetzt das Dach. Manches ist offen geblieben, manches wäre zu ergänzen. Auch eine Innenrenovierung wird in einigen Jahren erfolgen müssen. Immer wieder steht die Gemeinde vor der Frage, wie sie die Kirche den Erfordernissen anpasst, sie ins Licht rückt, Mittelpunktfunktion wahrnimmt als Kirche in der Stadt.

Die Kirche im Bau: das gilt auch für die Kirche Jesu Christi: Miteinander sind wir unterwegs: Tradition zu bewahren, aber auch kritisch zu überprüfen und neues zu wagen. Immer wieder zu einem Aufbruch bereit: wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Und gerade so ihm folgend: Jede und jeder dient mit der eigenen Gabe am Gelingen des Ganzen. Gemeinsam als Kirche kommen wir dem Himmel nahe, nicht jeder alleine für sich.

Wir bauen miteinander. Wir brauchen dazu seinen guten Geist. Denn „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Ps 127,1 Amen.





Aktuelles
17.05.2012
Die Prinzen kommen wieder!
am 5. September 2012 - Achtung: jetzt um 19 Uhr - in der Dankeskirche. Mit der Bad Nauheimer Vorband "Die Neuen Freunde". Es sind noch Karten verfügbar!
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05.05.2012
Zukunft der Johanneskirche
Erste Gedanken zur Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der Johanneskirche und Presse vom 5.5.12
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07.04.2012
Dachsanierung 2010
Bitte helfen Sie uns weiter mit Ihrer Spende!
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16.03.2012
Kinder, Jugend und Familien
Informationen und Anmeldeformulare sind online
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12.03.2012
Aktuelle Berichte
Ankündigungen und Berichte über Vergangenes, z.B. die Präsentation zur Gemeindeversammlung 2012
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02.03.2012
FSJ
Unsere Stelle im Freiwilligen Sozialen Jahr wird neu besetzt. Jetzt bewerben für 2012/2013!
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16.10.2011
Das Orgelfernwerk
ist restauriert!
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24.04.2011
Liturgie
Als Orientierungshlfe bieten wir Ihnen die bei uns übliche Liturgie als Broschüre an.
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01.04.2011
Taufe, Trauung und mehr
neuer Menüpunkt zu Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung
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14.01.2011
Bettler an der Dankeskirche
Denkanstöße zur Frage: Gebe ich etwas oder nicht?
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